Was geschieht, wenn ein Mitarbeiter entdeckt, dass der Chef seines Unternehmens stiehlt, und beschließt, nicht wegzusehen? Was geschieht, wenn er vor die Wahl gestellt wird, entweder seine Karriere oder sein Gewissen zu retten, und sich für Letzteres entscheidet?
Im Februar 2015 entdeckt Andrea Franzoso, Mitarbeiter der internen Revision bei Ferrovie Nord Milano, dass der Präsident des Unternehmens öffentliche Gelder für seine persönlichen Interessen verwendet. Unter den „maßlosen Ausgaben“ findet sich so ziemlich alles: Pornofilme, Reisen, Designerkleidung, Geschenke für befreundete Politiker und mehr als 180.000 Euro an Bußgeldern, die sein Sohn mit einem Dienstwagen angehäuft hat.
Franzoso meldet die Vorgänge zunächst intern, doch man fordert ihn auf, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Daraufhin erstattet er bei den zuständigen Behörden Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Mailand leitet Ermittlungen wegen Veruntreuung und schweren Betrugs ein. Der Präsident wird zum Rücktritt gezwungen und vor Gericht gestellt. Andrea Franzoso hingegen wird in eine andere Abteilung versetzt und erhält keinerlei Kontrollaufgaben mehr. Die Menschen um ihn herum wenden sich von ihm ab: Seine Kollegen meiden ihn und isolieren ihn. Schließlich verliert er seine Arbeit.
Dieses Buch erzählt die Geschichte dieses Falls und gibt eine Antwort auf die Frage, die wir uns alle stellen: Lohnt es sich, ehrlich zu sein?
Eine Lektion in Ethik und Mut, vor allem aber ein Schub an Zuversicht für alle, die glauben, dass Italien ein Land ohne Hoffnung ist.
Im Herbst 2017 trug die große mediale Aufmerksamkeit, die Il disobbediente ausgelöst hatte, dazu bei, dass Italiens erstes Gesetz zum Schutz von Whistleblowern verabschiedet wurde. Wie Raffaele Cantone, damals Präsident der Nationalen Antikorruptionsbehörde, im Nachwort schreibt: „Wenn ich heute den auslösenden Faktor benennen soll, der diesen positiven Kreislauf in Gang gesetzt hat, glaube ich, ihn in diesem Buch und in der Resonanz, die es hervorgerufen hat, erkennen zu können. Es ist unbestreitbar, dass die menschliche Geschichte, die auf diesen Seiten erzählt wird und von nichts anderem als Ehrlichkeit und Pflichtbewusstsein geprägt ist, dort etwas bewirken konnte, wo so viele juristische Argumente, so vernünftig sie auch gewesen sein mögen, nicht durchzudringen vermochten“.